Fondazione Alexander Langer Stiftung ETS
Bindergasse 5, 39100 Bozen (BZ), Italien

Lectio Langer: Die Welt reparieren, Hoffen als politische Praxis

Am 16. Oktober widmete sich die fünfte Lectio Langer im voll besetzten Saal des Kolpinghauses Bozen den pädagogischen Dimensionen im Denken und Handeln von Alexander Langer.

Lavinia Bianchi (Universität Roma Tre), aus Rom zugeschaltet, ging von ihrem Buch Alexander Langer. La pedagogia implicita (Scholé, 2023) aus. Langer hat nie ausdrücklich über Pädagogik geschrieben, und doch zeigt sich in seinem Leben und in seinen Texten eine echte Art zu erziehen. Bianchi verfolgte einige Fäden dieser „impliziten Pädagogik“:

  • an einer Grenze aufwachsen und lernen, „ethnische Käfige“ zu erkennen;
  • „rhizomatische“ Identitäten, die in der Beziehung zu anderen wachsen;
  • die Verbindung zu Don Milani und zur Nachmittagsschule in Scandicci;
  • der Ökopazifismus, in dem Frieden zwischen den Menschen und Frieden mit der Natur untrennbar sind;
  • das lentius, profundius, suavius: langsamer, tiefer, sanfter.

 

Zum Abschluss richtete sie eine Frage an das Publikum: Und wir, wie reparieren wir die Welt?

Hans Karl Peterlini (Universität Klagenfurt) begann mit einer persönlichen Erinnerung. Als junger Journalist erhielt er von Langer einen kritischen Brief, auf den ein langes Gespräch folgte. Daraus entwickelte er seine These: Erziehung ist immer politisch, kann aber die Politik nicht ersetzen und darf Probleme, die in Systemen entstehen, nicht auf Einzelne abwälzen. Langer bewegte sich genau im Zwischenraum der Zivilgesellschaft. Er half Menschen, den Sprung vom „Nicht-mehr“ zum „Noch-nicht“ zu wagen, und hielt die Hoffnung wach, dass die Welt anders sein kann. Peterlini machte dies auch an kleinen Gesten fest. Langer eröffnete eine Pressekonferenz, indem er eine Blume auf dem Tisch verrückte. Bei einer Vermittlung reichte er das zu unterzeichnende Abkommen auch der Person, die alle anderen übergangen hatten.

Die Lectiones werden von der Alexander Langer Stiftung gemeinsam mit dem Südtiroler Landesarchiv und der Fondazione Museo storico del Trentino veranstaltet. Herzlichen Dank allen für die Teilnahme!

 

Aufzeichnung und Texte

Wie gewohnt veröffentlichen wir hier in den kommenden Wochen die Aufzeichnung des Abends und das Heft mit den Texten der beiden Vorträge auf Italienisch und Deutsch.

In der Zwischenzeit kann der vollständige Text des Vortrags von Hans Karl Peterlini gelesen werden, der in der deutschen Originalfassung auf Salto erschienen ist: „Hoffnung als politische Praxis“.

Die am Abend gezeigten Folien mit der Übersetzung der Vorträge stehen unten als PDF zum Download bereit.

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V Lectio Langer | Lavinia Bianchi und Hans Karl Peterlini

Die pädagogischen Dimensionen im Denken und Handeln von Alexander Langer

Zum fünften Mal lädt die Alexander Langer Stiftung zur Lectio Langer ein – einem jährlichen Moment des Austauschs und der gemeinsamen Reflexion über Themen, die Alexander Langers Denken geprägt haben: die Suche nach einer gerechteren und inklusiveren Gesellschaft, die Fähigkeit zum Dialog und die Frage, wie wir miteinander und voneinander lernen können.

In diesem Jahr widmen wir uns den pädagogischen Dimensionen im Denken und Handeln Langers und fragen danach, welche Impulse darin für Bildung, Gesellschaft und Zusammenleben heute liegen.

Zu Gast sind Lavinia Bianchi und Hans K. Peterlini.

 

In den vergangenen Jahren wurde die Lectio von namhaften Persönlichkeiten aus Kultur, Zivilgesellschaft und Politik gestaltet – darunter Fabio Levi, Francesco Palermo, Franco La Cecla, Farian Sabahi und Narges Mohammadi.

Jede Ausgabe hat auf ihre Weise dazu beigetragen, Alexander Langers Denken lebendig zu halten und mit den Herausforderungen der Gegenwart ins Gespräch zu bringen.

 

Im Anschluss an die Veranstaltung laden wir zu einem kleinen Umtrunk ein.

Die Veranstaltung wird außerdem live gestreamt.

 

16. Oktober | 18–20 Uhr

Kolpinghaus Bozen – Josefsaal

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Hans Karl Peterlini 

Hoffnung als politische Praxis. Alexander Langer und das Lernen der Gesellschaft

Mit dem Aufsatz „Von der Unmöglichkeit, Politik durch Pädagogik zu ersetzen“, zeigte Franz Hamburger in den frühen 1980er Jahren die Grenzen von Erziehung und Bildung für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen und Krisen auf. Es waren in etwa die Jahre, in denen Alexander Langer begann, durch Politik ein gesellschaftliches Umlernen – heute: Transformation – anzustoßen. Der Beitrag spürt im Denken und Handeln Langers dem Mühen um eine Politik der Hoffnung nach, die sich in der „Pedagogia da Esperança“  nach Paolo Freire bis hin zu jüngeren Entwürfen der sogenannten politischen Pädagogiken spiegelt. 

 


Hans Karl Peterlini stammt aus Südtirol/Italien und hat sich lange als Journalist mit der sozialen und politischen Realität des Landes auseinander gesetzt. In der Folge wandte er sich über Forschungsprojekte zunehmend Fragen der Bildung und des sozialen Lernens zu. 2014 wurde er auf den Lehrstuhl für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Interkulturelle Bildung der Universität Klagenfurt berufen, wo er 2020 den UNESCO Chair für Global Citizenship Education – Culture of Diversity and Peace gründete. In intensiven Forschungsprojekten setzt er sich mit Bildung in einem transformativen, partizipativen und inklusiven Sinne auseinander.

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Lavinia Bianchi
 

Die implizite Pädagogik Alexander Langers. Immer wieder versuchen, die Welt zu reparieren

Obwohl Alexander Langer formal nicht dem Feld der Erziehungswissenschaften angehörte, entwickelte er Überlegungen und Praktiken, die von einem tiefen pädagogischen Anliegen durchdrungen sind. Sein Einsatz für das interethnische Zusammenleben, den aktiven Frieden, die ökologische Wende und die soziale Gerechtigkeit lässt sich als unermüdliche Bildungsarbeit lesen, die auf subjektive und kollektive Veränderung abzielt. Die Lectio bietet eine kritische Lektüre seines Denkens ausgehend von den Kategorien Engagement, Verantwortung, Dialog und Sorge um die gemeinsame Welt. Sie macht deutlich, wie notwendig es ist, zu verlernen, ungehorsam zu sein und Hoffnung und Teilhabe zu pflegen, um „die Welt zu reparieren“ und gerechtere und freundlichere Horizonte zu entwerfen.

 


Lavinia Bianchi ist außerordentliche Professorin für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik an der Universität Roma Tre, wo sie Interkulturelle Pädagogik, Kommunikationspädagogik und Genderpädagogik lehrt. Ihre Studien- und Forschungsschwerpunkte sind interkulturelle und genderbezogene Pädagogik, dekoloniale und intersektionale Perspektiven sowie soziale Gerechtigkeit. Viele Jahre lang war sie als Erzieherin und Pädagogin in Einrichtungen für minderjährige Migrantinnen und Migranten sowie für Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, tätig, außerdem als Lehrerin für Italienisch als Zweitsprache. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen zählen: Il metodo autoetnografico in pedagogia (Scholé, 2025), bell hooks. Pedagogia impegnata e decoloniale (a cura di, Scholé, 2024), Alexander Langer. La pedagogia implicita (a cura di, Scholé, 2023). 

 

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