pro dialog
PROGRAMM: Euromediterranea: Internationale Diskussionsrunden und internationale Sommerschule 2005
Alexander Langer 1995 – 2005: Lentius, suavius, profundius
25. Juni – 12. Juli 2005

Vor zehn Jahren schied Alexander Langer aus dem Leben. Die Erinnerung an ihn und sein bemerkenswertes Dasein ist trotz der schwermütigen Nostalgie, die sie immer noch in uns weckt, mit der Zeit herangereift und heute lebendiger denn je.
Das genetische Erbgut der Stiftung ist durch die Preisträgerinnen und –träger, denen seit 1997 diese nach Alexander Langer benannte Internationale Anerkennung zuteil wurde, ergänzt worden um Khalida Messaoudi Toumi aus Algerien, Jacqueline Mukasonera und Yolande Mukagasana aus Rwanda, dem chinesischen Ehepaar Ding Zilin und Jiang Peikun, der Kosovarin Vjosa Dobruna und der Serbin Natasa Kandic, dem Israeli Dan Bar-On und dem Palästinenser Sami Adwan, Esperanza Martinez aus Ecuador, der nach Gabriele Bortolozzo – Arbeiter des Chemiekonzerns im italienischen Porto Marghera - benannten Stiftung sowie der polnischen Stiftung Pogranicze.
Neben den nach wie vor prophetischen Schriften Langers, sind sie unser höchstes Gut. Sie zerstreuen jeden Versuch, von den wesentlichen, noch unbeantworteten Fragen abzubringen, die uns unser Jahrhundert aufgegeben hat.
Wir werden nie erfahren, was Alexander Langer zu seinen neuen Weggefährtinnen und -gefährten gesagt hätte. Wir geben uns auch keinen Illusionen hin. Seit dem 3. Juli 1995 liegt es wieder in unser aller Hand, selbstständig zu ergründen, „was gut war“.


Die diesjährige Euromediterranea, zu der wir euch schon jetzt herzlich einladen, wird Anlass sein, darüber nachzudenken. Doch wir werden nicht die einzigen sein. In Italien und Europa werden Menschen, die Alexander Langer begegnet sind oder ihn über seine Beiträge kennen, seiner gedenken, weil er ihnen Mut gab, eine zusehends notwendiger werdende Solidarität zu leben.

Internationale Diskussionsrunden

Die öffentlichen Diskussionsrunden haben drei Aufsätze Langers zum Gegenstand, die wir in italienischer, deutscher, französischer und englischer Sprache unter www.alexanderlanger.org ins Netz gestellt haben:

- Europa stirbt oder wird wiedergeboren in Sarajewo (1995);
- Die ökologische Wende wird sich nur dann durchsetzen, wenn sie auch sozial wünschbar erscheint (1994);
- Zehn Punkte fürs Zusammenleben (1994).

In diesem Rahmen sind alle herzlich eingeladen, ihre Gedanken zu Alexander Langer zum Ausdruck zu bringen. Aus organisatorischen Gründen, bitten wir, Wortmeldungen auf 5 bis 7 Minuten zu beschränken und diese vorher anzukündigen.

(Eventuelle Angebote bezüglich der Unterbringung in Bozen können Anfang Mai in der Stiftung eingeholt werden.)


VORLÄUFIGES PROGRAMM

Samstag, 25. Juni, 11 – 20 BrenneroBrenner: Grenzländer- Terre di confine. Eröffnung der Euromediterranea, die Alexander Langer gewidmet sein wird.
10 Uhr – Eine „geführte“ Wanderung entlang der Süd- und Nordtiroler Grenze. Wir erstehen das Niemandland.
16 – 20 Uhr – Ankündigung der Euromediterranea und Pressekonferenz.

Montag, 27. Juni bis 7. Juli – Festsaal der Gemeinde BozenBolzano

Eröffnung der Fotoausstellung „Hallo Ibrahim“, von Luisa Ferrari für Macondo 3 zur Unterstützung der Fernadoptionen von Tuzlanska Amica.
- Filmreihe zum Thema „Grenzländer – terre di confine“ in Zusammenarbeit mit dem Filmclub
- Einweihung der Alexander Langer Archivs „minima personalia“ in neuen Stiftungssitz.

Freitag, 1. Juli, 14 Uhr – Sitzungssaal im Altes Rathaus unter den Lauben
Eröffnung der Internationalen Sommerschule.

Freitag,1. Juli - Festsaal der Stadtgemeinde Bozen/Bolzano
16 Uhr Eröffnung des Kunstworkshops mit Alberto Larcher und Loretta Viscuto
17:30 Uhr – Verleihung des Alexander-Langer-Preises 2005.

Das Preisgeld für den Alexander Langer Preis 2005 in Höhe von 10.000,-- € wird von der Stiftung Südtiroler Sparkasse gestiftet.

18:30 – 21 Uhr - 1. Diskussionsrunde zum Thema: Europa stirbt oder wird wiedergeboren in Sarajevo mit Massimo Cacciari, Venedig/Mailand und Irfanka Pasagic, Tuzla/Srebrenica

Talferwiesen: Volxfesta und „24 Stunden Musik“ mit dem kulturellen Verein „Radio Tandem“

Samstag, 2. Juli - Festsaal der Stadtgemeinde BozenBolzano

10:30 – 13 Uhr 2. Diskussionsrunde zum Thema: Die ökologische Wende wird sich nur dann durchsetzen, wenn sie auch sozial wünschbar erscheint mit Vandana Shiva, Indien und Wolfgang Sachs (Deutschland/Italien)

13 Uhr Christoph Baker bringt einer Toast für Alexander Langer aus.

16 Uhr Jahresvollversammlung der Fondazione Alexander Langer Stiftung in Gedenken an Renzo Imbeni und Lisa Giua Foa

17:30 Uhr – 3. Diskussionsrunde zum Thema: Von der Wichtigkeit der Vermittler, Brückenbauer, Mauerspringer, Grenzgänger. Es braucht „Verräter der ethnischen Geschlossenheit“, doch keine „Überläufer“. Moderator: Leopold Steurer, Südtirol.

Talferwiesen: Fortsetzung der Volxfesta mit “Radio Tandem“.

Sonntag, 3. Juli: Festsaal der Gemeinde BozenBolzano
10 Uhr – 10 Jahre mit Alexander Langer, eine bibliographische Reise
11 Uhr – Alexander Langer: Adriano Sofri und Daniel Cohn-Bendit erinnern sich. Ein Kurzfilm von und mit Dietmar Höss
11:30 Uhr – Alexander Langer zeitnah, eine politische Biographie.
Mit Florian Kronbichler, Fabio Levi, Giuseppina Ciuffreda, weiteren Freunden Langers und einigen politischen Größen.
Musikalisch umrahmt vom Chor eXperimento.

Simultanübersetzungen in die Sprachen Italienische, Deutsch und Englisch.

13 Uhr Buffet und anschließende Unterhaltung auf den Talferwiesen.

Sonntag, 3. Juli, 18 Uhr SterzingVipiteno
„Alexander Langer“, ein Kurzfilm von Dietmar Höss.



Zusätzliches kulturelles Rahmenprogramm anlässlich der Internationalen Sommerschule

Montag, 4. Juli – 21 Uhr „So oder so...“ ein Theaterstück der „Creative Factory“ im Gemeinschaftszentrum mit Jungbusch Mannheim unter der Leitung von Lisa Massetti.

Dienstag, 5. Juli – 21 Uhr Srebrenica 2005, eine Dokumentationsreihe.

Mittwoch, 6. Juli – 21 Uhr Gemeinsamer Abend der Sommerschüler und der ortsansässigen Jugendlichen im Papperlapapp, Jugendzentrum von Bozen mit Musik und Häppchen aus dem Balkan. Filmvorführung von „Deutschland wäre meine richtige Heimat...“, eine Dokumentation über Migrantenkinder in Deutschland von Mario Di Carlo in deutscher Sprache mit engl. Untertiteln.


3. Internationale Sommerschule und Partnerschaft Bozen-Tuzla-Srebrenica
Zehn Jahre danach: Srebrenica, verletzendes Schweigen

Schon in den vergangenen Jahren hat es Jugendliche aus ganz Europa, aber auch anderen Weltgegenden zur Internationalen Sommerschule nach Bozen gezogen, in ein Land, das selber leidvolle Erfahrungen im interethnischen Zusammenleben sammelte.

Die Teilnehmerzahl ist auf 40 beschränkt. 5 Plätze sind Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Tuzla und Srebrenica vorbehalten, sowie weitere 15 Plätze den Teilnehmern der Ausbildung für FriedensarbeiterInnen / KonfliktmediatorInnen, Bozen.
Reisepass und Visum: Alle Teilnehmer müssen im Besitz eines gültigen Reisepasses sein. Wir erinnern die nicht aus dem Schengen-Raum stammenden Teilnehmer daran, dass sie neben einer Aufenthaltsgenehmigung für Italien und Bosnien-Herzegowina auch Transitvisa für Slowenien und Kroatien benötigen.
Die Teilnahmegebühr beträgt 150 €. Die Plätze werden nach Einlangen des Anmeldeformulars gereiht. Ein Drittel der Teilnahmegebühr muss bis spätestens 7. Juni der Stiftung - Konto Nr. 555000 der Südtiroler Sparkasse, IBAN IT91 S 060 4511 6130 0000 0555 000 - überwiesen werden (Zweck: Teilnahme an der Sommerschule 2005).
Anmeldefrist ist der 20. Mai. Bestätigung über ihre Zulassung erhalten die Teilnehmer innerhalb 31. Mai.
Stipendien: Über vorherigen Antrag, werden insgesamt auch 5 Stipendien vergeben, welche die Teilnahmegebühr sowie einen Fahrt-kostenzuschuss bis zu 150,-- € umfassen.
Unterrichtssprache ist Englisch.

1. Juli: Ankunft in BozenBolzano. 14 Uhr Eröffnung der Internationalen Sommerschule.

Dieses Jahr wird darin vom 1. bis zum 12. Juli 2005 die Bedeutung des Langerschen Aufsatzes „Europa stirbt oder wird wiedergeboren in Sarajewo“ anlässlich des 10. Gedenkjahres des Völkermordes in Srebrenica auch anhand seiner regen Tätigkeit vor allem während seines Europäischen Mandates erörtert.

Vom 1. bis 3. Juli werden die Sommerschüler an den öffentlichen Diskussionen der „Euromediterranea“ Teil nehmen und im offenen Dialog mit den Referenten in die Thematik eingeführt.

Vom 4. bis 7. Juli setzen sie sich in Bozen mit der Politik der Europäischen Union während des Balkankrieges (Irfanka Pasagic, Tuzlanska Amica, Natasa Kandic, Humanitarian Law Center, Belgrad, Vjosa Dobruna, Kinderärztin im Kosovo), Dayton (Laura Dolci, Funtionärin der UNO, Francesco Palermo, Uni Verona, Jens Woelk, Uni Trient), dem Autonomiemodell Südtirols, dem Internationalen Strafgericht (Andrea Lollini, Uni Bologna und Emanuela Fronza, Cariecj reseach center), die friedliche Konfliktbeilegung (Walter Lorenz, Uni Bozen, Stefano Recchia, Uni Harward, und die Partizipation der Zivilgesellschaft und der ehrenamtlich Tätigen auseinander. Dabei wird der rege gedankliche Austausch zwischen den Teilnehmern angeregt und gefördert.

Am 8. Juli fahren die Teilnehmer mit dem Bus über Capodistria und Triest nach Srebrenica und Tuzla, um an den dortigen Veranstaltungen teilzunehmen. Der Kurs endet am 12. Juli mit der Rückreise nach Bozen.
Die Veranstaltungen in Srebrenica und Tuzla organisieren wir gemeinsam mit dem Verein Tuzlanska Amica von Frau Irfanka Pasagic, eine aus Srebrenica stammende Psychiaterin. Pasagic widmet sich seit Jahren der traumatisierten Bevölkerung und vermittelt Fernadoptionen von Kindern aus und um Srebrenica.

Vorort werden wir Zeitzeuginnen und Zeugen des Massakers treffen. Eintägiges Seminar mit Yael Danieli (Psychologin, Vorsitzende der „Group Project for Holocaust survivors and their children, New York). Teilnahme an den Trauerfeiern in Srebrenica am 11.7. und an der Veranstaltung der Grünen im EP am 12.7. in Sarajewo.

Weiters ist die Aufführung des Monologs von Roberta Biagiarelli „Come a Srebrenica“, Regie von Simona Gonella, mit Untertitel in bosnischer und englischer Sprache geplant. Das Theaterstück ist ein dramatischer, aber tapferer Versuch, jene Geschehnisse, trotz oder aufgrund der tiefen und teils noch offenen Wunden, aufzuarbeiten.

Anmeldeformular unter www.alexanderlanger.org