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ESPERANZA MARTÍNEZ YÁNEZ

0.0.2000
"Internationaler Alexander Langer Preis 2002" an Esperanza Martínez Yánez, Ecuador .

Das Wissenschafts- und Garantiekomitee der Alexander Langer Stiftung, bestehend aus den Mitgliedern Renzo Imbeni(Präsident), Gianni Tamino (Vizepräsident), Pinuccia Montanari (Sprecherin), Ursula Apitzsch, Anna Bravo, Elis Deghenghi Olujiae, Sonia Filippazzi, Margit Pieber und Alessandra Zendron, hat beschlossen den "Internationalen Alexander Langer Preis 2002", im Wert von 10.000 Euro, Frau Esperanza Martínez aus Ecuador zu verleihen. Sie ist die Gründerin von "Acción Ecológica", Mitgliedsorganisation von "Friends of the Earth International" in Ecuador, Koordinatorin der Beobachtungsplattform für umwelt-soziologische Entwicklung im Amazonasgebiet, Mitbegründerin von Oilwatch, ein internationales Netzwerk zum Schutz von fragilen Ökosystemen und alten Rechten der indigenen Bevölkerung gegen Schäden aufgrund von Erdölbohrungen.

Esperanza Martínez ist 43 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und Biologin mit dem Schwerpunkt Umweltmanagement.
Sie wuchs in Panama auf, wo sie auch einen Großteil ihres Studiums absolvierte. Als sie nach Ecuador zurückkehrte entschied sie sich ihr gesamtes Wissen, ihre Energie und Kraft in den Dienst von Gesellschaft und Umwelt zu stellen, jener Teile, die von der Regierung wenig Schutz erfahren.
Anfang der 70er Jahre erteilte die Regierung Ecuadors einigen multinationalen Konzernen die Genehmigung nach Erdöl zu suchen und Bohrungen vorzunehmen; wobei die Erdölgewinnung in einem eine Million Hektar Fläche umfassenden Teil des Amazonasgebietes stattfand, einem an Tier- und Pflanzenarten reichsten Teil der Erde. Die Erdölgewinnung in einem so fragilen Ökosystem verursacht folgenschwere Veränderungen der Umwelt und verschlechtert die Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung derart, dass eine Nutzung der Naturvorkommen und Ressourcen dort unmöglich wird, was einen allmählichen Zerfall des bestehenden Sozialgefüges nach sich zieht.
Sich der Komplexität der verschiedenen Interessen bewusst, entschied sich Esperanza Martínez Frauengruppen und lokale Organisationen zu unterstützen und neue Gruppen zu gründen, um mit Geduld und Hartnäckigkeit ein Netz von Verbündeten aufzubauen, welches sich gegen die Eingriffe in dieses sensible System zur Wehr setzt. Dieses Widerstandsnetz gegen die Zerstörung der Umwelt durch Erdölbohrungen wächst immer weiter, erstreckt sich inzwischen bis weit über das Amazonasgebiet hinaus und verbindet mittlerweile eine steigende Anzahl von Mitgliedsorganisationen in der ganzen Welt.
Esperanza Martínez versteht es die lokalen Forderungen auf Anerkennung der Rechte, mit Beharrlichkeit durchzusetzen und erreicht auf diesem Weg die vorläufige Einstellung neuer Erdölbohrungen. Die Folgewirkungen wie Treibhauseffekt und Klimaänderung wurden schon auf der UNO-Konferenz 1992 in Rio erörtert.
Auf diesem Weg haben sich zahlreiche indigene Widerstandsgruppen kennen gelernt, konnten ihre Erfahrungen austauschen, gleichzeitig sogar ihre Kompetenzen ausbauen und sich gegenseitig in ihren gemeinsamen Forderungen bestärken. Zu den Ländern indigener Widerstandsgruppen gehören u.a.: Venezuela, (Amigrana), Colombien (Censat e Uwa), Peru (Racimos de Ungurahui), Argentinien (Mapuche), Thailand (Kalayanamitra Council), Burma (Eri), Nigeria (Era e Mosop) und Georgien.
Seit 1990 entstanden verschiedene Umweltschutzverbände, zuerst "Observatorio Social Ambiental de la Amazonía", eine Plattform für Zusammenarbeit, Austausch und Konfrontation zwischen ökologischen Organisationen und Gewerkschaften, dann folgte die Vereinigung "Acción Ecológica", mit der internationalen Kampagne "Amazonía por la Vida".
1996 entstand das Netz "Red de Resistencia a las Actividades Petroleras en los Trópicos - Oilwatch", dessen Koordinierung Esperanza Martínez auch heute noch inne hat. Dieser Organisation haben sich 46 Länder in Asien, Afrika, Lateinamerika, Europa, USA und Australien sowie etwa 100 indigene Gruppen, ökologische Verbände, religiöse Glaubensgruppen und Menschenrechtler angeschlossen.
Im Mai 1995 hat Esperanza Martínez an der Konferenz von Venedig zum Thema: "Das Recht für Frauen auf eine gesunde Umwelt und Gerechtigkeit" teilgenommen, die im Hinblick eines internationalen Umweltgerichts, angesiedelt bei den Vereinten Nationen, stattfand.
Im Jahre 1998 hat sie sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass die neue Verfassung von Ecuador das Präventionsprinzip, Antrieb für jegliche Umweltpolitik, und das Kollektivrecht auf eine nicht kontaminierte Umwelt anerkennt.
Esperanza Martínez ist Koautorin von verschiedenen, bekannten Veröffentlichungen zu denen u.a. "Amazonía por la Vida: Debate ecológico del problema petrolero en el Ecuador" 1993 und "Guía para enfrentar las actividades petroleras en territorios indígenas" 1994 zählen. Des weiteren ist sie Herausgeberin von zwei Bänden, die dem Thema Unternehmungen der Erdölindustrie in den Tropen gewidmet sind: „Oilwatch“ 1996 und "Voces de Resistencia a la actividad petrolera en los Trópicos" 1997. Außerdem veröffentlichte sie zum Thema zahlreiche Artikel in Ecuador und in anderen Ländern.
In den letzten Jahren konzentrierte sich Esperanza Martínez auf den Kampf gegen den Ausbau der neuen 500 km langen Erdölpipeline, die Ecuador von Ost nach West durchqueren und durch ein bisher geschütztes und dicht besiedeltes Gebiet führen soll.
Unlängst hat sie an der gewaltfreien Besetzung des Ministeriums für Energie teilgenommen.
Ihre Bemühungen zur Durchsetzung von Rechten auf eine gesunde Umwelt in ihrem Land sind nachdrücklich, jedoch stets gewaltfrei in der Wahl ihrer Methoden gewesen und wurden von ihr mit grenzenlosem Enthusiasmus und Intelligenz, gleichwohl mit Begeisterung durchgeführt.
Der Schriftsteller Jeo Kane bezeichnete sie aufgrund ihres Arbeitsstils und ihrer Beharrlichkeit als „el corazón verde del Ecuador“, das grüne Herz Ecuadors. Nnimmo Bassy schrieb über sie:
„Esperanza ist eine Frau mit starken und tiefen Überzeugungen. Sie hat die Charakterzüge einer Revolutionärin und vermittelt vor allem eines: Überzeugungen. Sie hilft dir durch die Dunkelheit zu gehen, egal wie tief sie sein mag, wissend, dass es ein Licht am Ende des Tunnels geben wird.“
Im Jahr der UNO-Konferenz zur "nachhaltigen Entwicklung" im Herbst 2002 in Johannesburg, 10 Jahre nach Rio, haben viele Länder ihr nationales Recht an die internationalen Vereinbarungen angepasst, um unsere Umwelt zu schützen.
In verschiedenen Ländern der Welt sind jedoch verstärkt Entforstung, Umweltverschmutzung, Armut, Ungerechtigkeit und die Verweigerung von Individual- und Kollektivrechten zu verzeichnen.
Mit dieser Auszeichnung für Esperanza Martínez will das Wissenschafts- und Garantiekomitee der Alexander Langer Stiftung darauf hinweisen, dass große internationale Veranstaltungen, so angefüllt mit Erwartungen, letztendlich enttäuschen können, wenn sie nicht mit großem Engagement von Einzelnen und Gemeinschaften mitgetragen werden, die richtungsweisend eine grundlegend ökologisch und sozial wünschbare Veränderung erreichen und im Sinn Alexander Langers einen wahren "Frieden zwischen den Menschen und der Natur" schaffen wollen



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