pro dialog
Alexander Langer Preis 2017 – ex-aequo an Angalià und Asgi

Die NGO Angalià (griechisch „Umarmung“) wurde 2008 in dem Dorf Kallonì im mittleren Teil der Insel Lesbos. Die Gründer waren Vater (papa) Stratìs mit andere drei Freiwillige.

Anfangs hat sie sich vor allem auf die Unterstützung der von der Wirtschaftskrise am stärksten betroffenen Bewohner konzentriert; noch heute leben 15 % der griechischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Als nach und nach immer mehr Flüchtlinge in Lesbos gestrandet sind, hat sich Angalià auch um sie gekümmert.

Im Jahr 2016 hat Angalià das Projekt 200+200 initiiert. Ziel war es, 200 einheimische Familien, Opfer jener „strukturell so komplexen Wirklichkeit, wie sie die äußerste Armut ist“ und 200 Flüchtlingsfamilien mit besonders großen Problemen zu unterstützen.

Über den finanziellen Beistand hinaus wollten die Aktivisten von Angalià – wie es im Abschlussbericht von 2016 heißt - „die Personen einander annähern und die Message der Solidarität zwischen Einheimischen und Flüchtlingen lancieren, damit man versteht, dass in der Welt von heute Armut und Verfolgung, Diskriminierung und Marginalisierung oft aus Faktoren entstehen, die allen gemeinsam sind und nur durch kollektive Solidarität, ohne Ausgrenzungen, angegangen werden können.“ Gerade das zweifache Eingreifen – zugunsten der Entrechteten des Ortes und derer, die von außen kommen, stellt einen besonders innovativen Aspekt in der Vorgehensweise von Angalià dar, besonders in einem Kontext zusammenhängender Krisen, die auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sind: den Krieg im Mittleren Osten, die schwierige Lage der griechischen Wirtschaft und die des politischen Systems der Türkei bis hin zu den Schwierigkeiten, die das politische Tagesgeschehen und das Wertesystem von Europa insgesamt zutiefst kennzeichnen.

Angalià stellt sich vor als „eine Gruppe, die in kein offizielles Programm passt“ und die sich unterscheiden will von den oft sehr diskutablen Praktiken, die Flüchtlingen gegenüber angewendet werden. Ihre Wortführer sind der Meinung, man müsse „einfach“ als Bürger handeln, die es nicht hinnehmen, keine Verantwortung zu übernehmen für das, was in ihrem Umfeld geschieht. Sie tun dies auf absolut ehrenamtlicher Basis, suche weder europäische noch staatliche Beihilfe, um sich die absolute Freiheit zu erhalten, Kritik zu üben an wem auch imer. Das Projekt 200+200 konnte umgesetzt werden auch dank des großen Netzes von Ehrenamtlichen, das Angalià mit Vereinigungen und Privatpersonen in allen Teilen Europas geknüpft hat. Dadurch wurden Aktivitäten möglich wie: materielle Hilfeleistungen, ärztliche Betreuung, Austausch von Kunst und Kultur, politische Projekte. Nicht von ungefähr gab es in Lesbos zwischen 2015 und 2016 einen Zuwachs an ehrenamtlichem Einsatz von jungen Menschen aus ganz Europa, wie es ihn selten vorher gab; dieser wertvolle Schatz darf nicht vergeudet werden.

Die Vereinigung von Lesbos spart im übrigen nicht mit harter Kritik an der Politik der europäischen Mitgliedsstaaten. Wenn es diesen Politiken gelungen ist, den Zustrom von syrischen, afghanischen und irakischen Flüchtlingen zu begrenzen – mittels der zu Recht umstrittenen Abkommen zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und der Türkei – so haben sie sich leider „für die Militarisierung“ und für „inhumane Abweisungen“ entschieden. „Das Jahr 2016 – meint Angalià – hat eine unerträglich hohe Anzahl von Menschenleben gekostet, während die materiellen Entbehrungen, die den Flüchtlingen mitten im Winter aufgezwungen wurden, lediglich unser kollektives Scheitern daran sichtbar machen, uns der Höhe unseres vermeintlichen und lautstark verkündeten Zivilisationsniveaus entsprechend zu verhalten.“

 

Associazione per gli Studi Giuridici sull'Immigrazione (ASGI)

 

Die Vereinigung ASGI ist im Jahr 1990 auf Initiative von Rechtsanwälten und Dozenten der Universität entstanden. Sie hat zum Ziel, das Handeln des italienischen Gesetzgebers dahin zu orientieren, dass Normen angewandt werden, die Einreise und Aufenthalt von Fremden und Asylsuchenden regeln, die Grundrechte des Menschen respektieren und den Grundlagen der Verfassung entsprechen. Desgleichen hat sie dafür gearbeitet, dass die italienische Gesellschaft eine positive Haltung und Herangehensweise entwickle gegenüber den tiefgreifenden Veränderungen, die durch die internationalen Migrationen entstanden sind.

Die ASGI hat mehr als zwanzig Jahre lang mitgewirkt an der Ausarbeitung und Formulierung von staatlichen und europäischen Regelungen bezüglich Einwanderung, Asyl und Staatsbürgerschaft und hat in der politisch-parlamentarischen Debatte und im Handeln der öffentlichen Organe den Schutz der Rechte von Fremden vorangebracht. Sie hat mit Beständigkeit ein engmaschiges, qualifiziertes Schulungsangebot für alle Ebenen gemacht: von den freiwilligen Helfern über Aktivisten und Sozialarbeiter bis hin zu Rechtsanwälten, Mitarbeitern von Kommissionen, Polizeipräsidien und Präfekturen. Sie hat direkte Unterstützung gegeben, hat Berufungen eingelegt, als Experte in konkreten Einzelfällen Migranten und Sozialarbeiter beraten. Sie hat unablässig, umfassend, detailliert und kritisch informiert über das italienische und europäische Regelwerk hinsichtlich der Einwanderung. Sie hat einen wirksamen juristischen Gegenpol gebildet gegen jede Form der Diskriminierung von Minderheiten.

Ihre besondere Aufmerksamkeit galt in den letzten Jahren dem Schutz der zur Migration Gezwungenen (Asylbewerber, Flüchtlinge) und der Ausarbeitung von Vorschlägen, um auch auf europäischer Ebene den fremdenfeindlichen und abschottenden Tendenzen im Namen des Schutzes der Grundrechte des Menschen entgegenzutreten. In diesem Sinne hat die ASGI viele Rechtsstreitigkeiten geführt und gewonnen, bei landesinternen wie beim europäischen Gerichten (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte und Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaft) über zentrale Fragen die Rechte der Ausländer betreffend, in Belangen wie Asylrecht, Diskriminierung, erzwungene Abschiebung, willkürliche Inhaftierung.

Die ASGI beruht auf Ehrenamt und arbeitet in völliger Unabhängkeit. Mittels der Insturmente des Rechtes spricht sie, arbeitet zusammen und trägt, wenn nötig, Konflikte aus mit jeder Art von Regierung oder Institution, sobald die Rechte derer auf dem Spiel stehen, die einreisen, sich niederlassen oder auf der Durchreise durch unser Land sind.

Die ASGI, in der immer mehr Frauen und nicht-italienische Bürger mitarbeiten, ist zu einem Bezugspunkt geworden für Vereinigungen, öffentliche und private Einrichtungen, Studierende,

 

5.000 der 10.000 €, mit denen der Preis dotiert ist, wurden von der Stiftung Südtiroler Sparkasse, Bozen, gespendet.


Das Wissenschafts- und Garantiekomitee der Stiftung besteht aus:


Fabio Levi (Präsident), Bettina Foa (Koordinatorin), Anna Bravo (Sprecherin), Anna Maria Gentili, Andrea Lollini, Christoph Baker, Grazia Barbiero, Francesco Palermo, Gianni Tamino, Karin Abram, Mao Valpiana, Margit Pieber, Maria Bacchi, Marianella Sclavi, Marijana Grandits, Massimo Luciani, Paolo Bergamaschi, Pinuccia Montanari, Roberto De Bernardis.

 

Fondazione Alexander Langer Stiftung, Onlus

39100 BZ -Via Bottai 5 Bindergasse
tel fax: +39.0471-977691

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