pro dialog

Alexander Langer

Claudia Roth: ein trauriges Gefühl
Es ist wirklich ein sehr bewegender Tag heute und viele von uns erleben so eine Art Wechselbad der Gefühle, Traurigkeit und immer wieder das Gefühl von diesem großen Verlust des Freundes Alexanders, des Kollegen und des Mitstreiters Alexanders.

Wir haben, mehrere Menschen haben darüber nachgedacht, wie empfinden wir dieses Jahr und es ist sehr unterschiedlich die Empfindung. Manchmal gibt es ein Gefühl, daß es schon so lange, so unendlich lange her ist, daß Alexander nicht mehr bei uns ist und manchmal ist es so, als ob er gestern noch am Tisch gesessen. Also..
In diesem Wechselbad verschwimmen auch Zeitdimensionen. Aber wir sollten heute auch, auch wenn es uns sehr schwer fällt, denke ich, daß hat Gianni auch gesagt, nicht vergessen, welche Kraft und Alexander mitgegeben hat und welche Kraft er uns allen immer wieder gegeben hat, und welche Aufgabe er uns hinterlassen hat, die hat er uns wirklich hinterlassen, indem er ja geschrieben hat, macht weiter, was gut war.
Und deswegen soll dieser Morgen, dieser Tag heute ein Tag der Vergegenwärtigung sein, indem Trauer möglich ist, indem aber auch neue Motivationen entstehen soll. Vergegenwärtigung, indem wir versuchen nachzudenken über die Herausforderungen, die sich uns allen stellen, wenn wir an den Zustand dieser Welt am Ende des 20. Jahrhunderts, wenn wir diese Welt am Ende des 20.JHD betrachten.
Ein Tag, an dem wir viele Fragen stellen, vielleicht, vielleicht auch Antworten geben können. Fragen, wie Alexander sie immer gestellt hat und wie er sie auch heute stellen würde. Dazu brauchen wir, so glaube ich, zuallererst sehr viel Zeit, um uns diese Fragen stellen zu können. Zeit ist ja ein ganz großer Luxus für uns und ich glaube wir müssen auch lernen, daß wir sehr viel mehr Freiräume und schaffen, Visionen zu formulieren, Utopien zu formulieren, Ideen zu formulieren, ohne die Veränderung nicht möglich ist. Und das wußte Alexander, daß er seine politische Initiativen immer auf der Formulierung von Visionen für die Zukunft gehoben hat.
Ich, weiß, und daß muß ich Ihnen sagen, das fällt mir unglaublich, diese Kraft von Alexander, immer wieder tatsächlich Perspektiven zu formulieren, Visionen und Utopien immer als das, was noch nicht erreicht worden ist zu beschreiben, was nicht unmöglich ist in der Zukunft, sondern als das noch nicht Erreichte. Wie es ernst Bloch auch einmal formulierte. Ich weiß wirklich nicht, wie Alexander es bei all seiner Arbeit geschafft hat, sich immer noch diesen Freiraum zu erkämpfen, diese Gedanken sich zu erkämpfen und diese Gedanken zu formulieren. Ich glaube, das ist, etwas was wir noch sehr viel mehr lernen müssen.
Wir sind mit Alexander eine politische Kraft geworden, weil wir ohne Furcht aufgestanden sind gegen alte Strukturen, gegen alte Gedanken, weil wir versucht haben, einen Aufbruch in eine neue Idee durchzusetzen. Wir haben uns sehr früh dagegen gewehrt gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen der Natur. Wir haben uns auch gewehrt, daß nicht nur die Natur ausgebeutet wird, sondern wir haben uns auch gewehrt, daß die Menschen ausgebeutet werden und Alexander war einer der ganz wichtigen, der mitbegonnen hat diese neue Perspektiven zu eröffnen. Und er war auch jemand, und ich glaube, daß ist heute wichtiger denn je, und ich bin sicher, daß er da heute auch eine ganz große Herausforderung sehen würde, die Ökologie und Demokratie immer miteinander verknüpft haben, und die nicht, die gekämpft haben gegen Abbau demokratischen Grundrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien. Wir haben in unserer Bewegung, Ihr auch, dafür gekämpft, daß Frauen ihren Platz haben, nicht nur im Himmel, sondern auch auf der Erde und da war Alexander immer an unserer Seite. Wir hatten heftige Debatten, ich kann mich erinnern mit Adelaide, über Quoten, über Frauenquoten. Ich kann mich erinnern, daß Alexander, glaube ich, dafür war, daß er dafür war, Regelungen einzuführen, in der Hoffnung, daß sie irgendwann mal nicht mehr nötig sind. Und wenn ich heute gucke, was in Südtirol auf grünen Listen an Frauen präsentiert sind, dann glaube ich, daß das auch etwas ist, was wir erreicht haben. Wir hatten Erfolg, nicht immer, nicht überall, aber oft an vielen Orten.
Und wir haben und schon sehr früh dem Wettlauf der Aufrüstung, dieser Spirale entgegengestellt. Und auch da war Alexander ein ganz, ganz wichtiger Part in dieser Bewegung und auch da würde er heute sagen, macht weiter, was gut war.

Alexander, wir hatten kurz vor seinem Tod ein Gespräch geführt, was in einem Buch abgedruckt ist, zwei Wochen vor seinem Tod, wo wir uns über Perspektiven unterhalten haben, wo wir uns unterhalten haben, wie eine ökologische Bewegung Selbstbewußtsein bekommen kann. Entsteht dieses Selbstbewußtsein nur durch Beteiligungen an Regierungen oder entsteht so ein Selbstbewußtsein auch in der Arbeit, wie im EP. Und Alexander war sicher jemand, der sehr stark auf den gestaltenden Aspekt einer politischen Bewegung bestanden hat, aber er hat nie vergessen, und daß glaube ich, war auch sehr wichtig und sollten wir auch tun, daß zu dieser Bewegung, zu diesem Versuch etwas Neues tatsächlich durchzusetzen und Akzeptanz zu finden immer wieder auch der Protest gehört, die Vorschläge für Reformen, um sie dann auch gestaltend umzusetzen zu können. Er würde heute, bin ich sicher, weiter dafür kämpfen, daß diese Alternative Kraft, dieses alternative Angebot noch sehr viel klarer sich formulieren kann, und daß es sehr viel überzeugender und eigenständiger und meinungsbildender für ein anderes Modell eines Zusammenlebens Gestalt und Zustimmung bekommt.
Und Alexander war ja quasi in seiner Person, Symbol für dieses andere Südtirol für dieses Südtirol, was ja übertragbar ist, des friedlichen Zusammenlebens, der Kooperation, des multikulturellen und multiethnischen Modells, eines Zusammenlebens. Und, ich glaube, auch das ist etwas was für uns ein Erbe ist, an dem wir weiterarbeiten müssen, was gut war, was wir weitermachen sollen.
Es gab bei Alexander etwas sehr wichtiges, daß wir auf Forderungen nach umfassender Demokratisierung nach ökologischen Umbau, nach dem solidarischen Ausgleich von Nord und Süd, nach Zivilisierung statt Militarisierung, immer versucht haben, auch Antworten zu finden, dieses Ringen um Antworten, wie können wir es machen, wie ist der richtige Weg dazu, und auch da glaube ich, ist es wichtig, daß wir an richtigen Forderungen auch gute Umsetzungsantworten finden, daß wir daran weiterarbeiten, und daß wir nicht verzweifeln an Rückschlägen, und ich weiß, wie schwer es für Alexander war, zu erleben,was in Bosnien Herzegovina passiert ist im ehemaligen Jugoslawien, wie er darunter gelitten hat und wie er daraus auch eine Hilflosigkeit oder eine Hoffnungslosigkeit immer wieder überwinden mußte, um dennoch weiterzumachen für die richtigen Ziele, weiterzukämpfen.
Es gibt viele Visionen und eine, die eine Horrorvision für mich wäre, und auch da bin ich überzeugt, daß es für Alexander der falsche Weg wäre, ist daß auf ganz wichtige Fragen, auf schwierige Fragen, platte Antworten zu geben. Oder Konfliktscheu zu werden oder defensiv zu werden. Das erleben wir ja auch, daß Politik es sich manchmal sehr einfach macht und nur noch populistisch antwortet, versucht auf Fragen antworten zu geben, obwohl sie noch gar nicht gibt. Und ich glaube, daß ist auch ein Reflex, den wir widerstehen sollen, weil - da habe ich auch gelernt von Alexander, daß er diesen einfacheren Weg nicht gehen wollte, auf schwierige Fragen, platte Antworten zu geben, obwohl sie noch gar nicht gibt. Und ich glaube, daß es auch ein Reflex den wir widerstehen sollen, weil, das habe ich auch gelernt von Alexander, daß er diesen einfachen Weg nicht gehen wollte, auf schwierige Fragen platte Antworten zu geben.
Und er hat ja, viele werden das wissen, er hat ja unter einer schlichten Überheblichkeit von manchen sehr gelitten und er hat darunter gelitten, daß er immer sehr tief argumentieren wollte und mußte aus sich heraus und daß ihm die Fähigkeit zu Oberflächlichkeit komplett abging. Das war ein Problem für ihn! Das war gar nicht einfach, daß er für ihn Dinge, wo andere einfach so drüber gehen, für ihn ne ganz große Bedeutung hatten, viele kleine Punkte, und er hat darunter gelitten, wenn andere oberflächlich waren oder wenn sie sich keine Mühe gemacht haben, keine Mühe nachzudenken. Damit hat er Probleme gehabt. Er war in vielen, ich kann mich daran erinnern, in manchen Fernsehdiskussionen war er manchmal viel zu intelligent, weil er sich nicht darauf eingelassen hat, platt zu argumentieren. Und wir sollten davon lernen nicht vergessen, daß das ein hoher Wert ist, und daß der einfachere Weg nicht der bessere Weg ist.
Alexander war sicher ein ganz leidenschaftlicher Parlamentarier. Auch da hat er sich, da hatten wir oft unsere Auseinandersetzungen, da erinnere ich mich daran, für ihn war es unendlich schwer zu erleben, wenn ein Änderungsantrag im Parlament, den er gestellt hat zu einen Bericht, nicht die Mehrheit bekommen hat.. Für manche war dies nicht so wichtig, aber für ihn war dies wirklich wichtig oderandersrum, ich sehe von Habsburg, für ihn war es unglaublich wichtig Mehrheiten zu bekommen für seine Initiativen, wohingegen, da haben wir oft gestritten, nicht gestritten aber geflachst, wohingegen für mich manchmal auch die Tatsache, daß wir 40 Stimmen für einen Antrag kriegen, ein großer Erfolg war, weil wir uns dann dabei beinahe verdoppelt haben.
Das waren Unterschiede. Ich war froh und er hat furchtbar darunter gelitten und er hat aber auch eines geschafft. Er ist in diesem Hamsterrad EP hat er sich nicht verlaufen, er hat unglaublich praktisch gearbeitet, er hat wirklich alles ausgereizt, was man nur irgendwie tun konnte und hat dennoch nie die Verbindung verloren zu den Initiativen und den Bewegungen, die außerhalb des Parlaments ja auch eine Grundlage für unsere Politik hier im Parlament bilden. Zu, ich möchte sie nennen außerparlamentarischen Opposition von heute, also zu den Menschen mit Zivilcourage, mit Mut, mit denen, die mit aufrechten Gang versuchen für ein gerechteres Leben, für eine gerechtere Gesellschaft zu arbeiten. Ich denke an seine Initiativen,seine Unterstützung bei Snossnowibor, bei der Unterstützung von Menschen, die gegen ökologische Zerstörung angehen, ich denke aber auch an die Unterstützung für Menschen, die z.B. in Italien albanischen Flüchtlingen Aufnahme gewährt haben. Manche von ihnen werden sich daran erinnern.
Was es also, was lernen wir/ich aus all diesem Erbe, was kann/muß verantwortliche ökologische Politik sein. Ich denke zuallererst ist verantwortliche Politik, das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, für eine Gesellschaft, in der eben multikulturellen Zusammenlebens tatsächlich garantiert ist.
Und ich empfehle Ihnen gerade heute die 10 Punkte, die Alexander aufgeschrieben hat, nachzulesen die 10 Punkte für ein Zusammenleben zwischen Volksgruppen, Konfessionen, Ethnien. Ich glaube, wir haben sie hier ausgelegt, aber da beschreibt er diesen Traum des friedlichen Zusammenlebens, ohne daß dieser Traum unerreichbar erscheint. Er macht konkrete Vorschläge, und ich glaube, daß es ein ganz wichtiger Punkt, den er geleistet hat und für den er gestanden hat und der für uns ein Erbe ist wo wir weiter gehen müssen.
Für ihn und für uns müssen tatsächlich Prinzipien gelten wie beispielsweise, daß Menschenrechte unteilbar sind. Und ich erinnere mich an seine Empörung auch ein Stück weit über die Doppelbödigkeit wenn über Menschenrechtsverletzungen außerhalb der europäischen Union sehr oft diskutiert und geredet worden ist und Beschlüsse gefaßt worden sind, aber über Menschenrechtsverletzungen innerhalb unserer eigenen Länder es oft sehr schwierig war, das Schweigen zu brechen. Er war derjeniger, der dafür gestanden hat, daß Menschenrechte überall unteilbar sind und auch das ist vielleicht wenn sie mir erlauben noch eine kleine Bemerkung, ich war Berichterstatterin zu einem Bericht für gleiche Rechte von homosexuellen Menschen und das war ein ganz schönes Stück Arbeit auch mit ihm, ihn davon zu begeistern, und als er dann begeistert war hat er sehr viel an... er hat sicher sehr viel mehr Kritik zu diesem Thema in Südtirol aushalten müssen als beispielsweise ein Kollege in Berlin. Das war sicher nicht so einfach und ich weiß, er hat viele Interviews mit italienischen Bischöfen machen müssen und es war für ihn gar nicht so einfach und er war aber überzeugt und er hat's dann auch getan aus tiefster Seele und hat auch klar gemacht, daß dies eine Frage der Menschenrechte sind, die nicht zu teilen sind.
Er war auch jemand, der in einer Zeit, wo man das Gefühl hat, daß Flüchtlinge im Stich gelassen werden, der darauf bestanden hat, daß sie Schutz finden, daß sie Fürsprecher haben, daß sie Anwälte haben und er hat immer wieder darauf bestanden, die Logik der Debatte umzudrehen und darauf hinzuweisen, was die Ursachen sind, warum Menschen ihre Heimat verlassen müssen, was die Fluchtursachen sind und was die eigene Beteiligung an diesen Fluchtursachen sind, ich erinnere mich an Initiativen im Unterausschuß Verteidigung zum Thema Rüstungsexporte, zum Thema Waffenexporte, wo er immer wieder solche Zusammenhänge hergestellt hat, auch das ist ein Erbe, wo wir weiter gehen sollten.
Und, wir haben oft darüber diskutiert, was neue Armut angeht, wenn wir über Menschenrechte, über Minderheitenpolitik geredet haben, dann war für ihn auch, und das ist für ihn auch ein Erbe verantwortliche ökologische Politik sich damit auseinanderzusetzen mit dem Phänomen von Marginalisierung von Ausgrenzung von neuer Armut. Europa ist kein armer Kontinent, aber gleichwohl gibt es immer mehr arme Menschen.
Begriffe, wie Chancengleichheit, wie soziale Gerechtigkeit, Toleranz, Akzeptanz, Schutz und Hilfe für die Schwächeren, das sind die unveräußerlichen Merkmale jeder Demokratie. Und das war von ihm ein Anliegen, und auch das ist etwas, was ich glaube, was er uns weitergibt, es war von ihm ein Anliegen, daß soziale Gerechtigkeit, Toleranz und Akzeptanz nicht leere Worthüllen bleiben, sondern daß sie tatsächlich Werte werden, gesellschaftliche Werte, die verbindlich sind und auf die sich eine demokratische Gesellschaft verpflichtet. Also anzugehen gegen eine Ellenbogengesellschaft, die sich immer breiter macht, gegen eine Gesellschaft, in der die Bereicherungssucht immer größer wird und in der Schwache immer weiter an den Rand gedrängt werden und ihnen dann auch noch das Gefühl vermittelt wird, daß sie an dieser Schwäche selber Schuld sind.. An diesem Punkt haben wir dann immer diskutiert und auch ein wenig gestritten, nein wir haben uns nicht gestritten, aber wir haben uns mit anderen darüber gestritten, ob eine solche Argumentation nicht zu moralisch sei, oder zu moralistisch und wenn ich etwas von Alexander gelernt habe, dann war es, daß wir es nicht uns weismachen lassen sollten, daß Moral in der Politik überflüssig sei, denn Politik ohne Moral, könnte man folgern, hat immer ein sehr unmoralisches Element. Er hat darauf bestanden, daß der Kampf gegen Ausgrenzung, für die Rechte der Minderheiten, für den Einschluß der Schwachen, für Toleranz, daß das ein moralisches Argument ist, was aber hochpolitisch ist und was nicht zu trennen voneinandr ist. und er hat versucht und er hat darauf bestanden, daß wir uns viel mehr darauf beziehen auf die eigenen Wurzeln, daß der Schutz der natürlichen Ressourcen, der Respekt vor der Natur, die Achtung von Mensch, von Tier, von Pflanzen heute vielleicht genauso wichtig ist oder vielleicht noch wichtiger sind, als zu Beginn unserer ökologischen Bewegung. und ökologische Politik, und ich spreche nicht von grüner Poltik, von Parteipolitik, ich spreche von ökologischer Poltik, sehr viel breiter, muß leben von der Verantwortung gegenüber den Kindern und Kindeskindern, um den Planeten Erde gesund zu erhalten.
Verantwortung in der Politik war ein hoher Maßstab von Alexander und auch das ist ein hohes Erbe, das er uns gegeben hat. Und deshalb war er derjenige, der immer angekämpft hat gegen koordinierte Verantwortungslosigkeit von denen, die Tiere und Menschen wie heute inden Wahnsinn treiben. Der Rinderwahnsinn ist das Ergebnis einer Hybris, die Lebewesen patentiert und die Unantastbarkeit des Individuums negiert. Ich erinnere heute an seine breiten Initiativen, seine Versuche zu informieren zu mobilisieren in der Debatte um die Bioethikkonvention. Weit über Fraktionsgrenzen hinaus. mit breiten Bündnissen, die fast erstaunlich waren. Ich erinnere auch heute daran, daß diese Debatte wieder auf der Tagesordnung steht, und daß wir auch im Sinne Alexanders diese Diskussion offensiv aufgreifen müssen, um gegen diese Hybris des Eingreifens des Menschen in die Natur etwas entgegnzusetzen.
Er hat darauf bestanden, daß wir von Wachstum reden, und das unser Wachstum aber ein anderes sein muß. Ein Wachstum, daß sagt nicht mehr Profit, nicht mehr Zerstörung, sondern mehr an Demokratie, an sozialer Gerechtigkeit, mehr an ökologischer Verantwortung.
Und v.a. war Alexander natürlich ein leidenschaftlicher Europäer, er war es wirklich und er hat sich mit großer Leidenschaft für die europäischen Integration bekannt. Sie können sich es vorstellen, oder vielleicht erinnern, daß da natürlich unterschiedlicheStrategien, unterschiedliche Auffassungen, unterschiedliche Konzepte gab und wir haben miteinander gerungen und wir haben miteinander gestritten, was die Grundlagen sind, was die Notwendigkeit von Veränderung ist, um dieser europäischen Integration tatsächlich zum Erfolg zu verhelfen. Das Prinzip der gesamteuropäischen Perspektive, das Prinzip der sozialen Ökologie, das Prinzip der wirklichen Demokratisierung, waren dabei immer gemeinsame und wichtige Forderungen.
Und es war v.a. Alexander, und ich glaube, daß wir mit dem was seit einem Jahr passiert ist auch daran weiter und sehr sensibel und sehr konsequent arbeiten müssen, der darauf bestanden hat daß unser Europa kein aufgeblasener Nationalstaat ist. Sondern ein Europa, indem die alten Nationalismen nicht wieder ihren Urstand feiern können.
Sondern für ihn war die Vision dieses Europas, ein Europa in dem sich nicht jeder selbst der nächste ist, sondern ein Europa mit viel Herz und viel Seele und viel Verstand, das seinen Bürgerinnen und Bürgern Geborgenheit und Hoffnung gibt. Und ich bin überzeugt, daß er auch jetzt in dieser Zeit über Regierungskonferenzen reden, dafür eingetreten wäre, und dafür eintreten würde, daß dieses Europa eben von unten entstehen muß und daß es nicht hinter geschlossenen Türen Gestalt annehmen kann.
Für ihn war ein unglaubliches Problem, und das ist es für uns alle, wie wir dieses Europa, diese europäische Idee wieder positiv besetzen. Wie wie Argumente liefern können und wirklich überzeugen können, daß wir dieses Europa brauchen und wir es haben wollen. Wie wir es schaffen aus diesem antieuropäischen Bewußtsein und Tendenzen wieder ein europäisches Bewußtsein zu machen. Wie wir die Renaissance der Nationalstaaten umkehren können in Europäisierung. Wie wir die Renationalisierung von Politik umkehren in wirkliche Europäisierung.
Das hatte etwas damit zu tun, daß Vorschläge zu Dezentralisierung, zu Mitsprache, zu Mitgestaltung und zum Schutz von demokratischen Rechten garantiert werden. Das hat damit zu tun, daß Europäisierung heißen muß, Ökonomie und Ökologie miteinander zu verbinden. Und daß hat damit zu tun, und auch dafür stand er, daß Europäisierung heißt, daß es darum geht, ein friedliches Europa aufzubauen indem die Nachbarn Vertrauen bekommen und nicht Angst bekommen. Daß es nicht zu einer Bedrohung wird.
Sicherheit muß also in seinem Sinne, glaube ich, anders definiert werden. Als soziale Sicherheit, als demokratische Sicherheit, als ökologische Sicherheit und als friedenspolitische Sicherheit.
Und Europa, auch da war er immer einer derjenigen, der auf drohenden Ost-West-Spaltungen hingewiesen hat, nachdem er, ganz im Gegensatz z.B. zu vielen Kollegen aus der deutschen Delegation die Wiedervereinigung, den Fall der Mauer sehr viel euphorischer erlebt hat, und wir da ziemlich miteinander gestritten haben - da kann ich mich gut erinnern - nachdem, wie er dann erlebt hat, was in Folge nicht passiert ist, diese drohende Ost-West-Spaltung, und er immer wieder, als jemand der nun ja in unterschiedlichen Welten zu Hause war, auch die drohende Nord-Süd-Spaltung immer wieder thematisiert hat und gesagt hat, daß Europa sehr viel größer ist, als es manche kleine, enge Brüsseler Optik vielleicht wahrhaben will.
So ist sicher eine wichtige Vision, oder die wichtigste Vision mehr Europa und mehr Demokratie, wobei das, glaube ich, gar keine Vision ist, sondern schlichtweg eine Überlebensfrage.
Ich möchte am Schluß einen Satz zitieren von Max Weber, Max Weber hat gesagt: Nur wenn Visionäre Ideen mit großer innerer Überzeugungskraft lebendig sind, läßt sich auf der Ebene der harten Interessenspolitik etwas in Bewegung setzen." Ich glaube, daß hat Alexander wirklich versucht, daß hat auch den Erfolg von ihm ausgemacht, daß seine Vision die Kraft war tatsächlich im Alltag etwas durchzusetzen. Und aus diesem Grund hat Alexander, glaube ich auch, am Schluß kurz vor seinem Tod in unseren letzten Gespräch überlegt und überlegt, wie können wir Menschen, die die Fähigkeit haben, Visionen zu erdenken oder zu beschreiben und sie zu übersetzen und sie zu vermitteln. Wie können wir sie zusammenbringen. Und es war einer seiner Wünsche und seiner Träume, den Rat der Weisen einzurichten. Und wie haben lange überlegt, wer müßte in diesen Rat, sie waren da auch vorgeschlagen, wer müßte in diesen Rat mitdenken, wer müßte in diesen Rat beteiligt sein, im Sinne der Gesamtverantwortung für das nächste Jahrtausend. Vielen Dank.