pro dialog
Vereinigung “Gabriele Bortolozzo” Mestre/Venedig
Mit seinem anfangs einsamen Kampf gegen die Verwendung von monomerem Vinylchlorid, das seit 1973 als nachweislich krebserregend gilt, hat Gabriele Bortolozzo, Chemiearbeiter in Porto Marghera, zur allgemeinen Steigerung des zivilen Bewusstseins und zur Durchsetzung des Prinzips des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz sowie des Schutzes der Lebensräume beigetragen. Zu diesem Zweck war er in mehreren Vereinen aktiv und hat mit Zeitschriften zusammengearbeitet, wie z.B. “Smog e dintorni”, “AAM Terra Nuova”, “Tam Tam Verde”, “Terra e Acqua”, “Movimento dei Consumatori Veneto” und “Amici della Bicicletta di Mogliano Veneto”.
Infolge seiner vertieften, 1994 in "Medicina Democratica" veröffentlichten Untersuchung über arbeitsbedingte Erkrankungen und Todesfälle unter seinen Arbeitskollegen wurden gerichtliche Ermittlungen eingeleitet. Gegen die Führung der Petrochemiekonzerne Montedison und Enichem wurde dann auch ein Prozess angestrengt, der allerdings 2001 mit der allgemeinen Freisprechung aller Angeklagten endete.
1934 in Campalto bei Venedig geboren, war er 35 Jahre hindurch Chemiearbeiter im Petrolchimico von Porto Marghera. Neben seinem Beruf und seiner Untersuchungsarbeit pflegte er auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, wusste die Schönheit zu schätzen, schenkte auch den kleinen Dingen Aufmerksamkeit und ergründete die Umwelt. Am 12.9.1995 kam er bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
Der mit 10.000,00 Euro dotierte Alexander-Langer-Preis wird am 6. Juli 2003 in Bozen zum Abschluss der Veranstaltung “Euromediterranea” der Vereinigung übergeben, die zu seinem Gedenken nach ihm benannt wurde und in seinem Geiste sein Werk fortsetzt. Sein Sohn Gianluca ist der Präsident und auch die Tochter Beatrice arbeitet aktiv mit (siehe www.provincia.venezia.it/agb).
Die Vereinigung hat außerdem das autobiographische Werk von Gabriele Bortolozzo “L’erba ha voglia di vita” (nach seinem Tod erschienen), den Bericht “Terra, Aria, Acqua, Valutazione o Svendita” und “Processo a Marghera” von Nicoletta Benatelli, Gianni Favarato und Elisio Trevisan mit der Koordinierung von Franco Rigosi, ed. Nuova dimensione 2002 herausgegeben.
Zahlreiche Veröffentlichungen berichten über die Tätigkeit von Gabriele Bortolozzo, darunter: “Petrolkimico” von Nicoletta Benatelli und Gianfranco Bettin, Baldini & Castoldi 1998, “Petrolkiller” von Gianfranco Bettin und Maurizio Dianese, Feltrinelli 2002, “Cronache della Chimica. Marghera e le altre” von Paolo Rabitti, Cuen 1998.
Der Regisseur Paolo Bonaldi hat seine Geschichte verfilmt und “Porto Marghera-Venezia: un inganno letale” wurde auf der Biennale Venedig vorgestellt. Der Schauspieler Marco Paolini hat daraus das Theaterstück “Parlamento chimico. Storie di Plastica” geschaffen. Tam Tam libri hat der Prozessgeschichte die Gedichtsammlung “MoRtedison – Tutti assolti” gewidmet. Sämtliche Unterlagen über den Prozess unter www.petrolchimico.it/

Der Präsident: Helmuth Moroder

Das Wissenschafts- und Garantiekomitee der Alexander-Langer-Stiftung, das den heurigen Preisträger ausgewählt hat, ist zusammengesetzt aus: Renzo Imbeni (Präsident), Gianni Tamino (Vizepräsident), Anna Bravo (Schriftführerin), Ursula Apitzsch, Patrizia Failli, Annamaria Gentili, Liliana Cori, Pinuccia Montanari, Margit Pieber, Alessandra Zendron.